Warum ich APS-C nicht mag

Nun, der Titel mag etwas ketzerisch sein und viele mögen über die nun folgenden Aussagen die Nase rümpfen, aber ich möchte an dieser Stelle einmal aufzeigen, warum ich es für sinnfrei halte, an APS-C – und im übrigen auch an mFT – festzuhalten.

Klar ist, daß kleinere Sensoren ihre Daseinsberechtigung haben und hatten – aber warum ist dem so?
Nun, sie sind kleiner. Das bedeutet, man bekommt mehr raus bei der Produktion und kann Kameras (vermeintlich) günstiger verkaufen. Zum anderen werden (vermeintlich) die Kameras kleiner, flexibler und man spart auch hier Geld, Transportkosten, Lagerhaltung, Material etc pp.
Linsen für kleinere Sensoren sind kleiner und günstiger… usw.

Ein jeder wird heute sagen: ist doch egal, denn die Bildqualität ist sowieso überall gleich.

Jein.

Es ist Fakt – und daran läßt sich nun mal aufgrund allgemein gültiger physikalischer Regeln im Universum nichts ändern – daß größere Sensoren größere Pixel ermöglichen, mehr Licht einfangen, ein höheres Freistellungspotenzial haben und somit bei entsprechender Produktgüte am Ende immer die höhere Bildqualität liefern zu einem vergleichbaren kleineren Sensor.

Dem Anwender bürdet man nebenbei die Umrechnung auf das Kleinbildformat auf (das nunmal der Standard ist), zwingt ihn aufgrund vermeintlicher Einsparmöglichkeiten zur Akzeptanz eines höheren Bildrauschens bei höheren f- bzw. t-Werten. Denn – ja – auch die Lichtstärke muß man streng genommen umrechnen.

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(Bildquelle: de.Wikipedia.org)

Wenn man die einen kleineren Sensor günstiger verkauft, kann man logischerweise, ohne mit Gegenwehr zu rechnen, die größeren um einiges teuere verkaufen – man hat also eine Schiene, die vermeintlich günstig ist – was sie aber eben nicht ist. Denn ein Unternehmen wäre relativ dusslig, wenn es nicht aus jeder sich bietenden Situation versucht, das meiste Kapital schlagen zu können.
In dem Moment, in dem Kameras mit APS-C-Sensor für 1.500 Euro pro Stück verkauft werden, kann man Kameras mit Vollformatsensor gut für das doppelte verkaufen. Schließlich ist der Sensor ja auch fast doppelt so groß.
Kameras und Objektive sind idR recht preisstabil, sofern sie einige Zeit ohne Nachfolger auf dem Markt bleiben.

Betrachtet man Einführungspreise und Endpreise kurz vor der Veröffentlichung eines Nachfolgers, darf man sich durchaus die Frage stellen: wenn jetzt noch Gewinn gemacht wird – und zwar ausreichend – warum war das Ding am Anfang so teuer?
Nun, das ist alles legitim. Und natürlich verfeinern und verbessern sich im Laufe eines Produktzyklus die Fertigungsprozesse usw. sodaß Produkte günstiger angeboten werden können bei etwa gleicher Marge.

Was aber wären, wenn man endlich nur wieder Kleinbildsensoren produzieren würde?
Je mehr man von einem Produkt herstellt, desto günstiger wird es in der Herstellung, wenn entsprechende Absätze generiert werden können.
Die Nachfrage wäre die gleiche, wenn nicht sogar höher. Zudem wäre man nicht mehr dazu gezwungen, verschiedene Produktlinien mit verschiedenen Fertigungsprozessen zu betreiben. Nun, ich bin kein Betriebswirtschaftler und auch kein Vorstand eines Kameraproduzenten – aber mir leuchten viele Dinge in bezug auf die kleinen Sensoren nicht mehr ein.
Klar, jemand der bislang nur mFT und APS-C hergestellt hat, müßte erst einmal relativ teuer umrüsten. Aber wenn der Markt ohnehin nur nach dem einen Produkt verlangt (Mittelformat und größeres lasse ich erst einmal bewußt außer Betracht), kann das kaum ein Hinderungsgrund sein. Und eine eigene Sensorentwicklung haben nur noch wenige. Teuer wird ggf nur die Entwicklung neuer Linsen und deren Etablierung, vor allem, weil das erst einmal dauert. Das ist immer so bei der Einführung eines neuen Systems.

Interessant ist doch aber, wenn man sich einmal Sony als Beispiel anschaut. Die haben zwar auch APS-C-Kameras im Sortiment – im Grunde sind das aber nur noch 2 Stück. A-Mount stirbt mittelfristig aus, da muß man sich nichts vormachen; und ansonsten sind nur die A6300 und die A5300 aktuell – der Rest läuft ebenfalls aus.
Beim Kleinbild sieht es anders aus: da werden die alten A7-Modelle als Einsteigerkameras nach wie vor produziert und finden reißenden Absatz neben den teureren Profimodellen. Die Kameras sind allesamt im Grunde genauso groß wie eine Olympus und mit Sicherheit nicht teurer in der Herstellung.
Und wenn ich mir dann anschaue, was Fujifilm und Olympus für ihre Kameras verlangen, wird mir schwindlig. Natürlich das tolle Geräte mit genialen Features etc pp – aber… mal ehrlich: sind sie das wert? Ich denke nicht. Freilich ist das oft auch eine persönliche Frage: ist sie mir das wert? Aber am Ende ist es einfach so, daß sie wissen, daß eine Vollformatkamera eben zu X Euro kostet, also können sie sich trauen bis Y Euro zu verlangen. Gäbe es (praktisch) nur noch Kleinbildkameras für die Segmente Einsteiger, Enthusiasten und Profis – so wie es früher zu Filmzeiten einmal war – könnte man sich auf die Herstellung und Entwicklung verschiedener Modelle konzentrieren, die vielleicht irgendwann einmal mehr Sinn ergeben, als es heute der Fall ist.

Und auch den Drittherstellern von Objektiven und sonstigem Zubehör wäre damit geholfen.

Heutzutage gibt es eigentlich – von Ausnahmen abgesehen – kaum noch schlechte Kameras und kaum noch schlechte Objektive. Ich meine damit WIRKLICH schlecht. Und somit ist es in meinen Augen erst recht Zeit, mit der Produktion von kleinen Sensoren (für Wechselobjektivkameras) aufzuhören.

Nachtrag zu hochauflösenden Sensoren und Druckgrößen

Beim Durchlesen meines letzten Artikels zu diesem Thema (was bringen 36, 42 und 50 Megapixel) ist mir aufgefallen, daß eine kleine Quintessenz fehlt. Zur Vereinfachung und Verdeutlichung möchte ich hier also noch einmal festhalten…

Was beeinflußt die Druckqualität nachhaltig:
– Qualität des Objektivs
– Auslösung des Objektivs
– Qualität des Sensors
– Auflösung des Sensors
– Druckausgabe
– Betrachungsabstand
– uvm

Es gibt Objektive, die absolut überragend auflösen, wie bspw. das Zeiss Otus. Das 55er Otus ist wahrscheinlich das schärfste, am Markt erhältliche Objektiv und löst an einer Nikon D810 (36 Megapixel-Sensor) mit satten 35 Megapixeln auf.

Sony hat jüngst eine neue Produktlinie präsentiert (G Master-Serie), die eigens auf die neuen (auch noch kommenden) hochauflösenden Kamersensoren zugeschnitten ist. Denn: gute Objektive, auch sehr gute – aber vielleicht ältere – können oft die Auflösung eines neuen Sensors gar nicht mitgehen. Ein Otus wird wahrscheinlich auch an einer Canon 5Dsr noch einmal deutlicher auflösen, aber eben nicht mehr über 40 Megapixel (sowie ich mich erinnere).

Auch hängt die Schärfe nicht nur vom Objektiv oder dem Sensor ab… mehr Auflösung wirkt erst einmal schärfer, ja. Aber auch geniale Linsen sorgen für ein scharfes und detailreiches Bild.

Ich empfehle hierzu ein sehr gutes Video von Tony Northrup, das aber leider nur auf Englisch verfügbar ist und bei welchem bei den Druckgrößen auch nur auf Inch und nicht auf Zentimeter eingegangen wird:

Ergänzend zu diesem Video vll hier einmal kurz eine Inch-cm-Umrechnung anhand eine 80×60-Drucks:
80×60 cm entsprechen 31,5 x 23,62 inch
Das wäre wohl laut Video die „native“ Größe für einen Druck bei 300 dpi aus einer 50 Megapixel-Datei.

Man sagt, mehr als 300 oder 400 dpi kann ein menschliches Auge gar nicht sehen (der eine mehr, der andere weniger); dpi = dots per inch (Punkte pro Inch).

Die Auflösung einer A7s (12 MP) bringt demgemäß rechnerisch bei 300 dpi ein 14“-Bild (Kantenlänge), das sind 35,56 cm, also etwas größer als A4 an der langen Seite. Die 80×60 sind ungefähr A1. Dabei gilt es auch zu bedenken, daß es verschiedene Formate wie 4:3 und 3:2 usw. gibt, wie bei der Glotze früher (4:3 und 16:9).
Wer es hier etwas genauer wissen will, dem empfehle ich die Seite myposter.de – dort kann man alle gängigen Formate drucken lassen und vorher einsehen/auswählen. Ich selbst lasse dort meine Photos für zuhause (inkl. Rahmen!) drucken – kann ich bis jetzt sehr empfehlen.

Bildschirmfoto 2016-02-05 um 13.47.19

Übrigens habe ich mal irgendwo gelesen, daß die 300dpi-Geschichte aus grauer Druckvorzeit stammt und heute kaum noch relevant ist… dazu kenne ich mich aber zu wenig aus, als daß ich das irgendwie kommentieren, bestätigen oder widerlegen könnte…

Gerade bin ich an meinem Arbeitsplatz noch einmal im Büro umhergeschlendert. Dort hängen einige meiner Photos in A1 an der Wand. Die einen sind mit einer Canon 400D (10 Megapixel APS-C) aufgenommen, der Rest mit einer Sony A99 (24 Megapixel Vollformat).
Bei denen mit der Canon habe ich nur die Kitlinse und ein billiges Tamron-Zoom zur Verfügung gehabt – die anderen an der Sony wurden u.a. mit dem Tamron SP 24-70mm f/2.8 Di, dem Minolta AF 100mm f/2.8 Macro, dem Minolta AF 70-210mm f/4 aufgenommen. Die Qualität der letztgenannten Sony + Objektive ist nebst Sensor um Welten besser als die Kombination der alten Canon + Schrottlinsen. Manche Aufnahmen mit der Canon sind dennoch sehr scharf und sehr detailreich. Im direkten Vergleich mit den Aufnahmen, die mit der Sony antsanden sind, sehen sie aber (nicht alle!!) eher kläglich aus. Es hängt eben auch viel mit damit zusammen, mit welchen Einstellungen die Aufnahmen entstanden sind und wie die Nachbearbeitung erfolgte.

Was nun kann man von z.B. einer Sony A7r II erwarten?
Nun, zunächst einmal entwickeln sich natürlich auch Sensoren immer weiter – und das Ende der Pixeldichte auf einem Kleinbildsensor ist hier sicherlich noch lange nicht erreicht. Hätte man vor 10 Jahren 42 Mepgapixel auf solch einen Sensor gepackt, hätte man wahrscheinlich noch mit ISO100 brauchbare Aufnahmen bekommen, ab ISO400 aber evtl. schon Rauschen ohne Ende gehabt.
Mehr Megapixel bedeuten erst einmal größere Dateien und – ja auch das bisweilen – mehr Details.
Aber: wenn ich mit einer Sony A7s entsprechende Aufnahmen mache, dann kann ich diese vielleicht nicht x-beliebig skalieren oder interpolieren – diese Aufnahmen können aber (das richtige Objektiv etc vorausgesetzt) durchaus genauso scharf und detailreich sein, wie höher auflösende Aufnahmen. Die Qualität von Sensor, Pixeln und dem Objektiv spielen hier eine enorm wichtige Rolle.
Die 24MP-Bilder bei mir im Büro sehen – so empfinde ich das (immer subjektiv, sowas) – extrem detailreich aus. Eine Teleaufnahme der Heidelberger Altstadt vom Schloß aus mit dem Ofenrohr ist dermaßen gut geworden, daß man auf dem Markplatz fast meint, Gesichter erkennen zu können. Das Ding hängt in A1 hier und man steht mit der Nase direkt davor – also nur wenige cm als Bestrachtungsabstand – und die Bilder sind alles andere als pixelig. Entwickelt wurden diese auch einer hochauflösenden TIFF von einer Druckerei.

Heiliggeistkirche Heidelberg

Ich habe ja groß getönt (in einem anderen Blogbeitrag), daß ich mir nie eine A7r II kaufen werde und mir die A7s locker reicht… nun ja, dumm gschwätzt is schnell… so eine formidable Kamera geht an einem technikbegeisterten Photographie-Nerd wie mir nicht spurlos vorbei. Und natürlich denke ich nach wie vor darüber nach, mir dieses edle Teil zu gönnen, wenn es denn irgendwann mal irgendwie möglich sein sollte. Dies auch, weil sie eben deutliche Ressourcen liefert beim großformatigen Druck. Das tun solche Kameras, wie die D810, die A7r II und die 5Dsr absolut. Da helfen auch die eigenen Beteuerungen nichts. Ja, 12 Megapixel reichen für sehr viel. Das defintiv. Aber wenn man z.B. auch in einem eigenen Shop Bilder zum Kauf/Druck anbietet, sollten auch da Reserven vorhanden sein.

Und wieder ein Aber:
Je nachdem, wie solche Phots beschaffen sind, kann man diese auch locker mit weniger DPI oder PPI sehr groß drucken. Sie sehen auch aus der Nähe immer noch detailreich aus – es macht außerdem niemand ein Vergleichsphoto mit einer „besseren“ Kamera und hängt es daneben. Und am Ende ist die Bildwirkung entscheidender, als die Auflösung – die mit zunehmendem Betrachtungsabstand immer irrelevanter wird. Ein 6 MP-Billboard wirkt aus 20 Metern Entfernung eben auch scharf und detailreich.

Auch muß man sich darüber im Klaren sein, daß sich solche hochauflösenden Sensoren etwas schwieriger handhaben lassen. Das Risiko einer Verwacklung ist größer, als bei „Fat Pixeln“, bauartbedingt, aus technischen, physikalischen Gründen. Dabei hilft eine 5-Achsen-Bildstabiliserung natürlich auch (oder eben ein Bildstabi im Objektiv).

Noch ein großes Aber:
Wer wirklich nicht/nie oder extrem selten tatsächlich Drucke über A3 oder A2 machen will… der braucht in der tat solch eine hochauflösende Kamera nicht. Definitiv nicht. Wer sie trotzdem haben will, dem sei sie gegönnt! Jedem das seine, solange man Spaß daran hat!
A2 habe ich mit meiner A7s auch schon gedruckt – und kann nicht sagen, daß das schlecht aussieht. Im Gegenteil.
Aber Ihr wißt sicher wie das ist… man ist empfänglich für die Werbeaussagen der Hersteller… und man will immer das beste, schönste etc haben – vll nicht immer, aber oft. Nicht jedem geht das so – ich spreche aus meiner eigenen Erfahrung – ja ich bin schwach… was das angeht.
Es sollte aber auch klar sein, daß solch ein Gerät ggf enorme Folgekosten mit sich bringt: schnelle, große Speicherkarten, große, schnelle Festplatte, ggf ein neuer Rechner, weil Lightroom & Co ewig brauchen, die Bilder zu bearbeiten usw usw usw.
Die Bildbearbeitung mit einer A7s und einem Macbook Late 2008 mit 8 GB RAM ist deutlich entspannter als mit einer 40 MB-Datei einer A7r II. Wer will, kann das gerne mal testen, denn bei dpreview.com gibt es RAWs und JPEGs von allen möglichen Kameras zum Download – man kann hier auch die Bildqualität gut vergleichen.

Auch hier zeigen sich dann Unterschiede. Eine A7s rauscht auch. Und wie! Ich habe hier Wunderdinge erwartet und wurde enttäuscht. Erst später habe ich eingesehen, daß bestimmte Dinge halt nicht gehen und die Physik ihre Grenzen hat. Sie rauscht weniger, bei geringerer Auflösung, größeren Pixeln – sie behält bei höheren ISOs mehr Details und mehr Farbtreue etc – aber rauschen tut das Bild auch, und zwar auch schon ab ISO 6400 und darunter. Wie stark das einem vorkommt, hängt vom persönlichen Toleranzlevel ab. War eine Lernkurve für mich – dennoch liebe ich diese Kamera, schon alleine vom Handling her – ja, ich gehöre zu denen, die den kleinen Griff mögen und das glatte Äußere – aber ich schweife ab.

Beim Druck kommt es wiederum darauf an, wie man das Rauschen wahrnimmt – hier gibt es Grenzen, ab wann man es deutlich sieht und wann nicht. Eine hochauflösende Kamera kann ggf durch die enorme Pixeldichte wiederum etwas kaschieren, was eine kleine 12 MP-Datei beim interpolieren vielleicht nicht mehr kann.

Ihr seht, alles hängt irgendwie zusammen und es gibt keine einzig wahre Empfehlung. Nicht immer ist „viel hilft viel“ das richtige, nicht immer ist „weniger ist mehr“ die korrekte Erwiderung, nicht immer ist „gut auch gut genug“.
Für die meisten wird eine A7s/II mit einem sehr guten Objektiv ausreichen – oder eine Fuji X-T1 oder eine Nikon Df usw…
Viele möchten kostenbewußt Reserven haben – da kommen die 24 MP-Kameras ins Spiel mit guten Sensoren und guten Objektiven. Wer wirklich groß drucken will und vor allem croppen muß (aus welchen Gründen auch immer), der braucht dann ggf tatsächlich eine hochauflösende Kamera ab 36 Megapixeln.

Was man braucht und was man will… das sind allerdings oft Dinge, die man nur mit sich selbst ausmachen kann 😉

Der Megapixel-Wahn: wozu 36, 42 oder 50 Megapixel am Vollformat?

Schönen Sonntag zusammen 🙂

Gerade habe ich im Netz in Schrift und Bild einmal mehr diverse Beträge verfolgt, die sich mit diesem ziemlich kontroversen Thema befassen. Wer sich hier „schlau“ machen will, wird spätestens nach einer halben Stunde Lektüre (oder Videobetrachtung) feststellen, daß er hinterher noch verwirrter ist als vorher.

In so ziemlich jedem Forum, Blog oder sonstwas wird wild mit Begriffen wie Auflösung, Druckqualität, Cropping usw. um sich geworfen, ohne daß man wirklich falsches und richtiges voneinander trennen kann.

Um hier einmal eines vorweg klarzustellen: auch ich bin kein Experte, verstehe aber ein wenig etwas von Werbung und Marketing (habe ich gelernt), sowie von Drucktechnik (rudimentär), Photographie (Autodidakt) und Bildbearbeitung (ebenso).

Wer sich eine neue Kamera kauft, der möchte diese auch eine Weile benutzen. Sei es nun, um erste Erfahrungen zu sammeln, die Photos nur für ein kleines Album auszudrucken, die Bilder auf A1 drucken zu lassen, im Web zu posten oder diese einfach nur auf dem TV-Schirm zu betrachten. Meistens kauft der Ahnungslose, weil Anfänger, dabei eine möglichst günstige Kamera mit einem Sensor, der relativ hoch auflöst, bspw. eine Kompaktknipse mit Minisensor, aber 20 Megapixel Auflösung. Weil: viel hilft viel, ne? Falsch.

Wer meinen Blog verfolgt, der findet zum Thema Sensor und Auflösung hinreichende Dokumente zum suchen 😉
Hier soll nur kurz wiederholt werden: Mehr Pixel brauchen mehr Platz auf dem Sensor, womit idR die Bildqualität proportional zur verwendeten Fläche sinkt.
Manche kriegen das besser, manche schlechter in Griff und am Ende entscheidet auch und vor allem der in der Kamera verbaute Bildsensor über die ausgegebene Qualität, sowie das vorne an der Kamera angebrachte Objektiv. Qualität ist dabei ein objektiver Begriff, wenn man von rein technischer Seite das Auflösungsvermögen der Hardware betrachtet – viele Megapixel und eine gute optische Verarbeiten ergeben nicht automatisch ein gutes Photo. Das macht noch immer der Photograph.

Nun ist es so, daß bislang „herkömmliche“ (also gute und teure Objektive) maximal bis zu 24 oder auch mal 29 Megapixel aufgelöst haben. Das Objektiv (optische Qualität) entscheidet also letztlich darüber, ob die Megapixel überhaupt in der digital erzeugten Datei ankommen.
Löst das Objektiv nur 24 Megapixel auf, bringen einem ein 36 Megapixel-Sensor einer Sony A7r oder einer Nikon D810 überhaupt nichts. Es wird im Grunde nur die Datei größer, einerseits in Sachen Abmessung, andererseits als Dateigröße auf der Festplatte.
Ein Zeiss Otus bspw. schafft (lt. DXO) z.B. 35 Megapixel, also noch immer 1 MP weniger, als der Sensor der beiden o. g. Kamera. Das Objektiv kostet aber auch 4.000 Euro. Das bezahlt so gut wie niemand.

Ein solches Objektiv an einer Sony A7r II anzubringen, hat also nicht notwendigerweise eine höhere Qualität zur Folge.
Es ist aber so, daß ein solches Objektiv natürlich besser abbildet, als z. B. eine Kitlinse. Sie ist einfach hochwertiger produziert, besser vergütet usw.
Auflösung, Qualität, Detail und Bildschärfe hängen zwar immer zusammen, sind aber keine absoluten Werte.
Es kann unter Umständen sogar passieren, daß ein Objektiv, das nur 24 Megapixel abbilden kann, an einem 42 Megapixel-Sensor schlechter aussieht.

Generell kann man sagen: je größer der Sensor, desto größer die Pixel, desto besser die potenzielle Qualität, sofern entsprechend dafür gerechnete Objektive verwendet werden.

Weil wir eine Kamera eher einmal ersetzen können, behalten wir idR unsere Objektive über einen deutlich längeren Zeitraum. Eine Kamera veraltet, geht kaputt, die Reparatur wird unwirtschaftlich etc etc etc… ein Objektiv hält unter normalen Umständen auch einmal 30 Jahre oder länger, ohne dabei an Qualität und Auflösung zu verlieren.
Wenn man also einen neuen Megapixelwahn aus marketingtechnischen Gründen ausruft, müssen auch neue Objektive her – manch einer mag das für sich selbst rechtfertigen, weil 10.000 Euro immer noch günstiger sind, als Mittelformatkameras + Zubehör.

Mit großen Dateien kann man natürlich einiges anstellen. Man kann von weiter hinten Photos aufnehmen, diese dann bequem bescheiden (croppen) und hat am Ende vielleicht noch immer ein gut aufgelöstes 24 MP-Bild.

Und ja: bei mehr MP sieht man durchaus auch manchmal mehr Details.

Nun zur Gretchenfrage: wie groß kann ich drucken?
Das ist das Thema, das allüberall Erregung auslöst.
Zunächst: wer von uns druckt den ganzen Tag großformatige Poster oder Plakate? Damit meine ich A1, A0 und größer? Ich wette, das macht unter Hobby-/Amateurphotographen so gut wie niemand. Und selbst wenn… reichen dann die 12 Megapixel einer Sony A7s oder die 16 Megapixel einer Nikon D4s oder einer Fujifilm X-T1?
Ja, das tun sie. Aber warum?
Erstens geht es darum, wie man das Bild (vorausgesetzt man kümmert sich um RAW-Dateien) verarbeitet. In Lightroom und/oder Photoshop oder anderen Programmen kann man (je nachdem) die Datei so abspeichern, daß problemlos größere Drucke möglich sind. Im Druckverfahren werden die DPI/PPI nämlich gesampelt und an die erforderliche Druckgröße angepaßt.
Dann ist auch ganz erheblich entscheidend: der Betrachtungsabstand!!
Kein Mensch stellt sich vor ein A0-Poster in einem Abstand von nur wenigen Zentimetern, um die Pixel zu zählen.

Meine alte Canon 400D hatte „nur“ 10 Megapixel (was schon deutlich mehr sind, als ältere Digitalkameras der Profiklasse) und damit konnte ich ganz leicht A1-Poster drucken, die wunderbar aussehen – wohlgemerkt auch aus JPEGs.
Meine letzte Druckerei wollte hochaufgelöste TIFFs – kein Problem, denn beim Export in z. B. Lightroom kann man das ganz leicht einstellen.
Will man selbst drucken, kann man auch in Photoshop die Dateien größer ziehen und die notwendigen DPI etc angeben.

Vor den A1-Prints meiner (verkauften) Sony A99V stand ich teilweise idR nur wenige Zentimeter entfernt (die hängen größtenteils in einem engen Flur) – hier helfen die Megapixel sicher etwas, die Details besser abzubilden – aber daneben hängen die 10MP-Bilder auch in A1 und keine Sau regt sich drüber auf – man sieht es nämlich kaum, bzw. wenn man es nicht weiß, interessiert es keine Sau und niemand merkt etwas von wegen Details. Es geht um die Bildwirkung und nicht um das Pixelzählen.

Normalerweise steht man vor entsprechend großen Bildern einige Meter weg, um deren Wirkung einfangen zu können. Je kleiner die Bilder, desto größer die Auflösung, desto näher der Betrachtungsabstand.

Wenn Ihr also, wie ich, normalerweise im Web veröffentlicht und ab und zu mal ein Photobuch in A4 oder A3 – oder auch mal ein Poster ein A2 oder A1 druckt… dann reichen 12 bis 24 Megapixel locker aus, selbst wenn man auch mal ein klein wenig beschneiden muß.

So, das soll es für heute mal gewesen sein 🙂
Wem noch etwas zum Thema einfällt – Ergänzungen oder Korrekturen: rein damit in die Kommentare 🙂