Zoom oder Festbrennweite? – Da scheiden sich die Geister…

… und das, obwohl sie das gar nicht müßten.

Foren, Blogs und Magazine sind voll davon. Jeder meint, die Weisheit mit Löffeln gefressen zu haben und postuliert ein ums andere Mal, welches Objektiv auf jeden Fall das bessere sei. Dabei macht man hier ein Faß auf, das gut und gerne im Keller vergessen werden kann.
Vor allem werden dabei sogenannte „Superzooms“ immer wieder gerne verbal zerrissen; und das oft völlig zu unrecht.

Bevor wir fortfahren, soll ein kleiner Exkurs den Anfängern unseres Hobbys helfen, die Begrifflichkeiten einzuordnen.
Also, Objektive werden – ganz grob – in Festbrennweiten und Zooms, sowie in Weitwinkel- und Tele-Objektive untergliedert.
Mit einem Zoom kann man die Brennweite verändern (als zB ein Motiv näher heranholen, ohne sich zu bewegen), mit einer Festbrennweite geht das nicht, da muß man laufen. Weitwinkel bannen viel aufs Bild, Tele wenig; es gibt also Weitwinkel- und Tele-Festbrennweiten, sowie Weitwinkel- und Tele-Zooms; Superzooms decken beides ab – jetzt wirklich nur ganz grob und kurz.

Ich selbst war lange Zeit ein Verfechter der beliebten und höchst nützlichen Zoom-Kombination 24-70mm und 70-200mm. Damit kann man in der Tat fast alles machen und man ist flexibel. Wenn dann auch noch eine gute Lichtstärke vorhanden ist von Blende 2.8, kann eigentlich nichts mehr schiefgehen. Ist eigentlich auch so.

Und dann hatte ich das 55mm f/1.8.
Ein Traumobjektiv.
Und ganz ehrlich… da ist mir aufgefallen, daß ich auch bei meinen Zooms eigentlich immer entweder bei 24mm, 70mm oder 200mm photographiere, laufe und eben nicht zoome. Vielleicht mal bei 135mm oder 35/50mm in Ausnahmefällen. Wenn keine Hindernisse im Weg waren, habe ich die Brennweite eingestellt, die mir gefällt – oder auch nicht – und habe mich bewegt, um den richtigen Bildausschnitt zu bekommen. Wie gesagt: solange kein Hindernis im Weg war. Und ich muß zugeben… seit ich die Blende 1.4 meines Samyang 85mm einmal genossen habe… bin ich süchtig nach der Offenblende.

Die Vorteile von Festbrennweiten:
– ggf kleiner
– ggf leichter
– idR lichtstärker
– idR schärfer

Die Nachteile von Festbrennweiten:
– weniger flexibel
– man schleppt mehr rum
– muß öfter wechseln

Analog kann man bei den Zooms vorgehen:
– flexibler, aber weniger lichtstark
– größer und schwerer, aber man schleppt weniger mit rum
– nicht ganz so scharf wie eine FB, aber muß nicht so oft wechseln

Ein Superzoom freilich ist dann etwas ganz anderes…
– man muß ggf gar nichts wechseln
– man schleppt fast nix mit sich rum
– extrem flexibel

aber:
– geringe Lichtstärke
– oft erhebliche Abstriche bei der Abbildungsleistung

So, und nun? Was soll man sich nun kaufen? Ha! Nun, das, was man für seine eigenen Zwecke möchte, für richtig und für notwendig hält. Ganz einfach.
Wenn ich auf Reisen gehe und mit meinen Klamotten schon genug zu schleppen habe, will ich möglichst wenig Gewicht mit mir rumtragen und die Aussichten genießen. Dann nehme ich ggf 1 Kamera und 2 Festbrennweiten, oder 1 Kamera und 2 Zooms oder eben 1 Kamera und 1 Superzoom mit. Eine kleine, leichte Kamera mit festem Objektiv kann hier viel Spaß machen, man ist aber auch sehr limitiert.

Wenn ich dagegen zB raus gehe, um gezielt Landschaften abzulichten… kann ich fast alles mitnehmen. Je nachdem, was ich vorhabe, und wenn die Tour richtig geplant ist, kann ich mich aber auch hier einschränken.
Ich habe die Erfahrung gemacht, daß ein Objektiv um die 50mm nie falsch ist. Denn da das ca den menschlichen Bild-/Blickwinkel abbildet, ist es oft so, daß die Brennweite paßt, wenn man sich denkt „ooh, das ist aber schön hier“.
Steht man aber auf einem Berg… können Zooms hilfreich sein. Hier kann man ggf nicht einfach seinen Standort ändern. Oder man steht am Fuß des Berges… da kann es ein Problem darstellen, mal „schnell“ weiter weg zu gehen oder näher ran.

Hohenzollern
Panorama – aufgenommen mit einem 24-70mm Zoom von Tamron

Burg Hohenzollern
Aufgenommen mit dem Telezoom 80-200mm von Minolta.

Wie weiter oben bereits angedeutet, sind die Superzooms (oder wie sie oft abschätzig genannt werden: „Suppenzooms“) nicht immer schlecht. Auch hier gibt es, wie immer, eine sehr große Qualitätsspanne. Nicht jede Festbrennweite ist super und nicht jedes Superzoom schlecht. Gerade Tamron und Sony, aber auch Canon und andere haben hier sehr gute Teile im Angebot, wie bspw. das Sony FE 24-240mm oder das Canon EF 28-300mm L. Man muß aber bei diesen enormen Reichweiten in der Tat Abstriche machen. Es ist klar, daß bei so viel Glas und so vielen verschiedenen Möglichkeiten, die Elementgruppen im Tubus anzuordnen, nicht durchgehend eine herausragende Bildqualität erreicht werden kann.
Aber… am Ende gilt immer: der Photograph macht das Bild, nicht das Equipment und: Schärfe ist nicht alles.

In der Tat aber, haben Festbrennweiten einen weiteren unschätzbaren Vorteil: man lernt damit besser.
Man muß sich bewegen und Gedanken über den Bildausschnitt machen, sein Auge schulen und sich mit seiner Ausrüstung ganz anders vertraut machen. So liegt den meisten Kameras ein Kit-Objektiv bei (das idR gar nicht so schlecht ist), das aber jeden Anfänger gleich zu Beginn ggf faul werden läßt, denn es sind immer Zooms.
Ich rate hier: kauft Euch nur den Body und eine Festbrennweite um die 45, 50 oder 55mm – oder setzt auf eine Kompaktkamera mit Festbrennweite wie bspw. die Fuji X-100T. Die hat zwar 35mm (umgerechnet – wie die meistens Smartphones), aber daß es eben eine Festbrennweite ist, ist ein unschätzbarer Vorteil, der einige Nachteile deutlich überwiegen kann.

Am Ende spricht absolut nichts dagegen, einfach alles zu nutzen. Ich selbst allerdings… habe inzwischen selbst 2 Festbrennweiten, denen ich immer öfter den Vorzug gebe (solange ich kein Zoom brauche). Hätte ich von mir selbst nie gedacht…

Welche Belichtungsprogramme gibt es?

Wer sich das erste Mal mit einer halbwegs brauchbaren Kamera befaßt, blickt als eine der ersten Handlungen vermutlich verwirrt auf das sog. Programmwahlrad, das sich idR oben auf der Kamera befindet.

Neben – herstellerspezifischen – Szenenprogrammen und dergleichen sind dort vor allem die einzelnen Belichtungsmodi auswählbar.

Das sind:
– Vollautomatik (Auto)
– Programmautomatik (P)
– Zeitautomatik (Av oder A)
– Blendenautomatik (Tv oder S)
– Manueller Modus (M)

Die Zeitautomatik bezeichnet man auch als Blendenpriorität, die Blendenautomatik als Zeitpriorität.

Im Vollautomatikmodus übernimmt die Kamera vollständig das Denken. Hier gilt: einfach draufhalten und hoffen, daß es was wird.

In der Programmautomatik werden von der Kamera Belichtungszeit und Blende automatisch gewählt, der Anwender kümmert sich nur um den ISO-Faktor.

Bei der Zeitautomatik bzw. Blendenpriorität wählt der Photograph die Blende, die er sich wünscht und die Kamera berechnet automatisch die Belichtungszeit.

Bei der Blendenautomatik ist es dann genau umgekehrt. Der Photograph wählt die gewünschte Belichtungszeit und die Kamera wählt die dazu erforderliche Blendenöffnung.

Bei all diesen Halbautomatikprogrammen kann immer noch eine Belichtungskorrektur vorgenommen werden.

Erst der Manuelle Modus gibt dem Photographen die völlige Freiheit darüber, wie er Blende und Belichtungszeit wählen möchte.

Nach meiner eigenen Erfahrung liegt man bei den meisten Situationen am Anfang mit der Zeitautomatik richtig. Egal ob Landschaft oder Porträt, man kann sich um den Bildaufbau kümmern, die Schärfentiefe bestimmen etc pp und die Kamera gibt einem die Belichtungszeit vor. Ist diese zu knapp, um freihand ein scharfes Ergebnis zu bekommen, kann man den ISO-Wert heraufsetzen. Auch eine Belichtungskorrektur ist noch schnell vorgenommen.

Erst bei Nachtaufnahmen etc kommt bei mir persönlich der manuelle Modus zum Einsatz.
Viele schwören darauf, immer und überall voll manuell zu belichten. In meinen Augen macht man sich damit unnötig das Leben schwer.
Gerade bei Portraits nehme ich immer A. Ist viel streßfreier.
Bei Landschaften und bei Verwendung eines Stativs nehme auch ich gerne M, denn da habe ich Zeit und Ruhe, mich um die Aufnahme zu kümmern.
Zudem sind die Programme A und S sehr gut dazu geeignet, die Funktionen einer Kamera wirklich zu verstehen und zu erlernen. Nämlich: wie hängen, ISO, Brennweite, Blende und Belichtungszeit denn eigentlich zusammen?

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Edit am 01.10.2016
Jetzt weiß ich auch, daß eine Fehlerkorrektur an einem alten Artikel dazu führt, daß dieser als „neu veröffentlich“ wieder ganz oben landet…
Nun, bei dieser Gelegenheit: mittlerweile photographiere ich eigentlich immer manuell… soviel dazu 😀

Und natürlich kann man über das Korrekturwahlrad in in den Automatikmodi Belichtungskorrekturen durchführen…

Schnell manuell fokussieren: die Hyperfokaldistanz und der Zonenfokus

Alle Welt schwört auf Objektive mit Autofokus, richtig? Nun, aber wieso erfreuen sich manuelle Objektive dann weiterhin durchaus großer Beliebtheit?

Klar, sie sind zunächst einmal günstiger… aber… ein Zeiss Otus ist nicht gerade ein Schnäppchen; im Gegenteil, die 55mm-Granate gehört zu den teuersten Objektiven dieser Brennweite.

Nun, einmal machen es die neuen spiegellosen Systemkameras mit deren Elektronischen Suchern etc sehr einfach mittels Focus Peaking (Kantenanhebung) zu fokussieren, zum anderen aber gibt es eine ziemlich sichere Methode, wie man – abhängig von der Situation – manuell sogar schneller fokussieren kann, als mit einem Autofokus.

Damit meine ich den sog. Zonenfokus und die Hyperfokaldistanz.

Was im ersten Moment furchtbar technisch und kompliziert klingt, ist in Wirklich ganz furchtbar einfach. Jedes manuelle Objektiv hat einen Blenden- und einen Fokusring. Mit dem Blendenring legt man die Öffnung des Objektivs fest und mit dem Fokusring wird scharfgestellt.
Die Objektive haben hierzu meistens zwei Skalen aufgedruckt. s. Bild

IMG_3607 Kopie

Auf dem Fokusring erkennt man in Metern oder Inch, ob man nah oder fern (bzw. auf unendlich) fokussiert/scharfstellt.
Der Blendenring zeigt einem die gewählte Öffnung der Iris.

Die Besonderheit liegt bei der kleinen Markierung zwischen den beiden Ringen. In der Mitte wird markiert welche Blende man gewählt hat. Die Raute zeigt auf den Blendenring. Die Zahlmarkierungen neben der Raute sind das entscheidende Werkzeug: Dort sind die Blendenstufen noch einmal eingraviert und zeigen auf dem Fokusring an, von wo bis wo man ein scharfes Bild bekommen (Schärfentiefe).

Auf dem Bild ist Blende 11 gewählt – der Fokusring wurde so gedreht, daß das Zeichen für „unendlich“ und die Zahl „3“ bei der Markierung „11! stehen. Das bedeutet, daß bei Blende 11 alles zwischen 3 Metern und unendlich scharf abgebildet wird – und das nennt man „Hyperfokaldistanz“.
Nimmt man nicht unendlich, sondern zB 10 und 2 Meter – dann ist alles zwischen 10 und 2 Metern Entfernung scharf (abhängig von der gewählten Blende). Dies nun ist der „Zonenfokus“.

Hat man diesen einen Fokus einmal eingestellt, kann man drauflos photographieren, ohne erst scharfstellen zu müssen. Eine Methode, die auch und vor allem in der Street Photography Verwendung findet, in der sich der Photograph entsprechend seiner Vorlieben zwischen Subjekten bewegt und einfach losschießen kann.

Was bedeutet „The Human Element“ in der Photographie?

Unter „The Human Element“ versteht man Aufnahmen, in denen eine menschliche oder manchmal auch von Menschen gemachte Komponente (nicht notwendigerweise) im Zentrum der Bildaussage steht und dem Photo das gewisse „etwas“ verleiht.

Damit sind nicht Portraits gemeint – beim Human Element tritt der Mensch eher zurück. Man kann dies durchaus als „Eye Catcher“ verstehen, wonach die Szenerie ohne dieses Element zwar auch interessant, schön oder sonstwas ist, aber eben dieses Element eine besondere Aufmerksamkeit auf sich zieht und der Bildkomposition eine weitere Stufe der Harmonie verleiht.

Beispiele:

In diesem Bild ist der Tunnel der U-Bahn ansich ein durchaus interessantes Motiv – das kleine, rennende Mädchen aber gibt der Aufnahme noch einmal eine neue Dynamik, ohne daß der Tunnel in den Hintergrund oder das Mädchen in den Vordergrund rückt.
Subway Playground

Auch bei dieser Aufnahme sind ganz klar der Wald und der Sonnenaufgang die Protagonisten; die beiden Silhouetten im Hintergrund aber geben dem Bild eine zusätzliche Kompenente, etwas, das das Auge auf sich zieht, ins Bild noch einmal hineinführt und der Szenerie eine gewisse Mystik verleiht.
Morgennebel

Fraglos eine schöne Landschaft für sich genommen; das um die Ecke biegende Auto aber gibt der Aufnahme eine besondere Stimmung.
Spots in the Blue

Auch bei dieser Aufnahme ist nur eine Silhouette zu sehen, die aber eine gewisse Düsternis unterstreicht und den Kern der Bildaussage bildet.
Descent

Und noch zwei Beispiele:
Of Dwarfs and Giants

Umbrella Walk

Kurztipp: bessere Panoramen ohne Stativ

Wer kennt das nicht? Man steht an einem schönen Aussichtspunkt vor einer hinreißenden Kulisse und will ein Photo machen. Das mitgeführte Objektiv kriegt aber nicht alles der wundervollen Landschaft auf den Sensor, sodaß einem nichts anderes übrig bleibt, als ein Panorama anzufertigen. Aber was tun, wenn auch das Stativ fehlt?

Manche Kameras haben hierfür eine eingebaute Funktion, spucken aber nur JPEGs aus.

Nimmt man nun die Kamera in die Hand und macht so viele sich überlappende Bilder, wie notwendig, dann kommt hinterher am Rechner trotzdem nur Murks raus und man muß die Aufnahme idR großzügig beschneiden, sodaß man am Ende genauso wenig auf dem Photo hat, wie mit einem Tele (leicht übertrieben).

Das liegt daran, da man – wenn man einfach hin- und herknipst – nicht den Nodalpunkt berücksichtigt. Es gibt Stative, oder besser Stativköpfe, die extra hierfür gemacht sind. Aber man kann sich in der Tat sehr leicht helfen.

Man richte seinen Körper dort aus, von wo man genau alles auf das Bild bekommen möchte. Anschließend macht man eine Faust und streckt den Daumen nach oben – auf den Daumen setzt man die Kamera und schwenkt, ohne den ausgestreckten Arm zu bewegen nur die Kamera um diesen künstlichen Nodalpunkt.

Jede Wette: Panoramen gelingen so zu 80% bis 90% 😉

Ich habe das selbst gestern ausprobiert und hatte – denke ich – Erfolg damit 🙂
Aufgenommen mit dem Minolta MD 45mm f/2

Sonnenuntergang in Weinheim

Der französische Photograph Serge Ramelli hat hierzu ein sehr ausführliches Video (auf Englisch) gedreht, sodaß ich mir jetzt keinen abkaspern muß, um mich selbst zu photographieren 😀

Wie funktioniert das mit der Schärfentiefe?

Unter Schärfentiefe (Tiefenschärfe ist FALSCH) versteht man den Bereich eines Photos, der scharf abgebildet wird, und zwar, ob nur ein Teil scharf und der Rest „freigestellt“ ist oder ob das gesamte Bild scharf sein soll.

Blende 2.8, 24mm - geringe Schärfentiefe

Blende 2.8, 24mm – geringe Schärfentiefe

Blende 8, 24mm - mittlere Schärfentiefe

Blende 8, 24mm – mittlere Schärfentiefe

Blende 22, 24mm - hohe Schärfentiefe

Blende 22, 24mm – hohe Schärfentiefe

Blende 2.8, 70mm - geringe Schärfentiefe

Blende 2.8, 70mm – geringe Schärfentiefe

Blende 8, 70mm - mittlere Schärfentiefe

Blende 8, 70mm – mittlere Schärfentiefe

Blende 22, 70mm - hohe Schärfentiefe

Blende 22, 70mm – hohe Schärfentiefe

Bei den oben stehenden Bildern ist noch folgendes zu beachten:
Der Abstand zum Motiv war hier sehr gering und betrug nur einige cm. Das hat zur Folge, daß auch bei Blende 8 und sogar bei Blende 22 (@ 70mm) der Hintergrund noch leicht verschwimmt.

Einen Effekt auf die Schärfentiefe haben also:

Blendenöffnung
Brennweite
Entfernung zum Motiv

Gehe ich möglichst nah an das Motiv heran, verschwimmt der Hintergrund eher – erst recht, wenn ich lange Brennweiten benutze (z.B. ab 100mm).

Je weiter ich vom Motiv entfernt bin, desto höher wird auch die Schärfentiefe – so kann es sein, daß es durchaus möglich ist, komplette Landschaften im Weitwinkel offenblendig (bspw. f/1.4) komplett scharf abzubilden.

Standpunkt —————-> Motiv (bei 24mm und f/8 = alles scharf, also Motiv und Hintergrund)
Standpunkt ————> Motiv (bei 24mm und f/8 = Hintergrund wird langsam unschärfer)
Standpunkt ——> Motiv (bei 24mm und f/8 = Motiv ist scharf, Hintergrund unscharf)
Standpunkt —————-> Motiv (bei 200mm und f/8 = Motiv ist scharf, Hintergrund unschärfer)

Das Spiel mit der Schärfentiefe gehört zum absoluten Muß in der Photographie – und jeder macht es gerne, weil es einfach total geil aussieht, wenn das Motiv (egal ob im Vorder-, Mittel- oder Hintergrund) scharf und damit freigestellt ist, der Rest des Bildes aber in Unschärfe verschwimmt.

Zum Schluß noch der Hinweis:
Auch die Sensorgröße hat Einfluß auf die Schärfentiefe. Je kleiner der Sensor, desto schwieriger wird es, ein Objekt freizustellen.

Was bedeuten „High-Key“ und „Low-Key“?

High-Key und Low-Key bezeichnen verschiedene Arten der Lichtsetzung (meistens bei Portraits). Die Begriffe entstammen z. T. dem Kino: Bösewichte werden immer von unten beleuchtet (low) und die guten Jungs von oben (high). Heute versteht man darunter (mehr oder weniger) hauptsächlich die Verwendung von viel oder wenig Licht. Wenig Licht mit harten Schatten wäre z. B. ein Low-Key, viel Licht und keine oder nur leichte Schatten wären ein High-Key.

Hier ein Bsp. für ein Low-Key:
Martin II

Und ein Bsp. für ein High-Key:
Carlo

Es muß dabei nicht notwendigerweise ein Blitz verwendet werden – mit „available light“ geht das genauso:
Ziege

Für absolute Anfänger: was ist was an der neuen Kamera?

Die Kamera
Ok, übertreiben wir es nicht, ich gehe davon aus, daß jeder, der sich eine Kamera kauft, auch weiß, daß er eine gekauft hat und in etwa weiß, was man damit so macht. 😀
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Das Objektiv
Das Objektiv ist das Auge der Kamera. Es fängt das Licht und bündelt es in mehreren Linsen, die es dann auf den lichtempfindlichen Bildsensor in der Kamera werfen und so das digitale Bild erzeugen, das vom Bildprozessor verarbeitet, im Sucher angezeigt und auf der Speicherkarte gesichert wird. Bei klassischen und digitalen Spiegelreflexkameras nimmt das Licht bzw. das Bild einen Umweg über ein Prisma, um im Sucher ein Bild zu erzeugen.
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Der Sucher
Der Sucher sitzt idR am hinteren oberen Ende der Kamera (das kleine „Fenster“ zun durchgucken). Es gibt elektronische und optische Sucher, und manchmal gar keine, sondern nur das Display auf der Rückseite der Kamera. Durch den Sucher betrachtet man das Bild, das von Objektiv, ggf Spiegel und/oder Sensor erzeugt wird.
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Die Brennweite
Als Brennweite bezeichnet man den Abstand zwischen einer Linse (im Objektiv) und dem Brennpunkt (ganz ähnlich wie bei einer Lupe und einem dem Feuertod geweihten Objekt am Boden). Die Brennweite wird auf dem Objektiv in mm angegben und zeigt einem, ob man ein Objekt nah heranholen kann oder eher von weiter weg photographiert. Kurze Brennweiten (z. B. 17mm, 24mm oder 35mm) bezeichnet man als Weitwinkel, man bekommt also viel auf das Bild. Lange Brennweiten (z. B. 100mm, 200mm oder 500mm) bezeichnet man als Teleobjektiv (wie beim Teleskop, was „fern sehen“ bedeutet); man holt mit einem Tele also Objekte näher heran, bekommt aber weniger auf das Bild (vom gleichen Standort aus). Als Standardbrennweite bezeichnet man die 50mm, denn bei diesem Bildwinkel entspricht die Aufnahme in etwa dem, was das menschliche Auge sieht. Die Brennweitenbezeichnungen gelten i.Ü. hauptsächlich für das sog. „Kleinbild“ bzw. „Vollformat“, also einer Sensorgröße, die in ihren Abmessungen etwa denen des alten 35mm-Films entspricht.

Focal-length“ von HenrikEigenes Werk. Lizenziert unter CC BY-SA 3.0 über Wikimedia Commons.

Die Blende
Wenn das Objektiv das Auge ist, ist die Blende die Iris. Mit ihr reguliert man den Lichteinfall, also die Menge an Licht, die auf den Sensor treffen soll. Die Blende wird in Zahlen und zusätzlich oft mit dem Buchstaben „f“ angegeben (z. B. f = 2.8 oder f/1.4, manchmal auch in der Form 1:2.8). Eine kleine Blendenzahl (z. B. f/2.8) gibt an, daß die Blende weit geöffnet ist und viel Licht durchläßt. Man spricht in diesem Zusammenhang auch von einer hohen Lichtstärke. Dementsprechend bezeichnet eine große Blendenzahl (z. B. 22) eine kleine Blendenöffnung. Es kommt also weniger Licht durch. Die Blende sitzt am hinteren Teil des Objektivs und besteht aus sog. Lamellen. Heute üblich ist die Angabe der Blendenreihe in Drittel-Blendenstufen; die ganzen Stufen sind: 1 – 1.4 – 2 – 2.8 – 4 – 5.6 – 8 – 11 – 16 – 22 – 32
Lenses_with_different_apetures
Lenses with different apetures“ von KoeppiKEigenes Werk. Lizenziert unter CC BY-SA 3.0 über Wikimedia Commons.

ISO
Das Kürzel steht eigentlich für „International Organization for Standardization“ (Internationale Organisation für Normung). Mit dem Kürzel meint der Photograph die Angabe der Filmempfindlichkeit nach der ISO-Norm 5800. Zu analogen Filmzeiten gab dieser Wert auf einer Filmrolle an, ob bei gleichen Einstellungen kürzer belichtet werden kann. Die Werte für die Lichtempfindlichkeit bei Film wurden bei digitalen Sensoren übernommen; die chemischen und elektronischen Prozesse haben aber nichts miteinander zu tun. Man kann sich folgendes merken: kleine ISO-Zahl = geringe Lichtempfindlichkeit = geringe Bildfehler (sog. „Rauschen“); hohe ISO-Zahl = hohe Lichtempfindlichkeit = viele Bildfehler. Man kann sich auch merken: eine volle ISO-Stufe entspricht einer kompletten Blendenstufe. Bsp.: benötigt man für eine Aufnahme eine Blende größer als f/4, weil man mehr Licht für eine korrekte Belichtung der Aufnahme braucht, kann man (zB) die ISO-Empfindlichkeit von 200 auf 400 erhöhen, was einer Blende von 2.8 entspricht. Dies bedeutet, daß man bei gleicher Lichtmenge und gleicher Blendenöffnung nicht länger belichten muß. Heute übliche ISO-Werte sind: 50, 100, 200, 400, 800, 1600, 3200, 6400, 12800, 25600, 51200, 102400, 204800, 409600.

Die Belichtungszeit
Neben ISO und Blende entscheidet als drittes Element die Belichtungszeit über das Ergebnis unseres Lichtbildes. Je länger wir belichten, desto mehr Licht wird gesammelt. Auch hier gilt: eine Verdoppelung der Belichtungszeit entspricht einer kompletten Blende bzw einer kompletten ISO-Stufe. 1/30 Sekunde läßt doppelt so viel Licht rein, wie eine 1/60 Sekunde. Die Belichtungszeit gibt also an, wie lange der Kameraverschluß offen bleiben soll.

Bildrauschen
Als Bildrauschen (oder auch Farbrauschen oder nur Rauschen, manchmal auch Körnung oder nur Korn) bezeichnet man eine bestimmte Art von Bildstörung. Sie kann bspw. bei langen Belichtungszeiten oder vor allem auch bei der Wahl von sehr hohen ISO-Werten auftreten.
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Der Auslöser
Nun, der Auslöser ist schlicht und ergreifend der kleine Knopf, der beim Drücken das Bild schießt, die Aufnahme also auslöst und damit den Belichtungsvorgang startet.

Der Verschluß/-vorhang
Man kann sich das ganze wie ein Theaterstück vorstellen. Zuerst ist der Vorhang offen und die Bühne leer. Das Skript sagt, was passieren und wie das Bühenbild aussehen soll. Man zieht an den Seilen… der Vorhang fällt, die Bühne wird mit Personen befüllt, der Vorhang hebt sich, alles erstrahlt im Licht, der Vorhang fällt wieder. Das Bild ist im Kopf. So ähnlich funktioniert auch der Kameraberschluß: man wählt einen Bildausschnitt, legt ISO, Blende und Belichtungszeit fest und drückt den Auslöser. Der Verschluß gibt den Sensor frei, Licht fällt, der Verschluß schließt sich, das Bild ist gemacht.
Interessant dazu: https://de.wikipedia.org/wiki/Schlitzverschluss

Das Bajonett
Das Bajonett ist die Verbindung zwischen Objektiv und Kamera, also quasi das Schraubgewinde (Mutter und Schraube – wobei die Kamera die Mutter und das Objektiv die Schraube ist… oder so) – jeder Hersteller hat hier sein eigenes Bajonett (oder gleich mehrere pro Hersteller), was ziemlich schade ist. Eine Normierung wäre hier gar nicht mal blöd – würde aber vielleicht auch der einen oder anderen Entwicklung im Wege stehen. Auf jeden Fall hat das Kochen der eigenen Süppchen zur Folge, daß man vor allem beim Kauf von Objektiven eines Dritthersteller ganz besonders aufpassen muß, auch dasjenige mit dem korrekten Anschluß zu kaufen – also bspw. ein Tamron mit einem Anschluß für Canon, Nikon oder Sony etc.; Bekannte Bajonette (oder auch enlg.: Mounts) sind bspw.: Canon EF & EF-S, Nikon F, Sony A & E, Fujifilm X, Leica M

Das Zoomobjektiv
Ein Zoom-Objektiv zoomt… überrascht nicht wirklich, eh? Man kann mit einem Zoomobjektiv also mehrere Brennweiten auf einmal abdecken (bspw. 24mm bis 70mm oder 70mm bis 200mm).

Das Teleobjektiv
Ein Teleobjektiv ist ein Objektiv mit einer festen Brennweite, die dazu da ist, weiter entfernt Objekte näher abzubilden. Man spricht hier von kleinen, mittleren und großen Telebrennweiten, als z. B. 70mm, 135mm und 300mm.

Die Festbrennweite
Die Festbrennweite ist, wie der Name schon sagt, ein Objektiv mit einer festgelegten Brennweite – man kann also nicht zoomen. Übliche Festbrennweiten sind z.B.: 24mm, 35mm, 50mm, 70mm, 100mm, 135mm, 200mm, 300mm, 400mm, 500mm

Das Weitwinkelobjektiv
Das Weitwinkelobjektiv ist ebenfalls wie das Teleobjektiv eine Festbrennweite, bildet aber einen weiteren Bereich ab, man bekommt also mehr auf das Bild. Man benutzt diese Objektive üblicherweise in der Landschafts- und Architekturphotographie. Klassische Weitwinkelbrennweiten sind demnach z.B. 24mm, 28mm, 35mm

Das Ultraweitwinkelobjektiv
Ein Ultraweitwinkel bildet noch weiter ab und ist manchmal auch als Fisheye erhältlich.

Das Makroobjektiv
Makroobjektive sind für Nahaufnahmen gedacht und sind idR in Brennweiten um die 100mm erhältlich – es gibt auch welche mit 50mm und 180mm etc.

Das Normalobjektiv
Das Normalobjektiv bzw die Standardbrennweite bildet in etwa das Sichtfeld des menschlichen Auges ab und hat ca. 50mm.

Kombinationen
Aus den o. g. Beispielen lassen sich z.B. Kombinationen bilden:
Weitwinkel-Zoom (z.B. 16-24mm), Standard-Zoom (24-70mm), Tele-Zoom (70-200mm)

Die Schärfentiefe
Die Schärfentiefe beschreibt, von wo bis wo ein Objekt auf dem Bild scharf abgebildet wird. Nimmt man bspw. ein Portrait auf (also z.B. den Kopf eines Modells), dann möchte man idR, daß der Kopf scharf, der Hintergrund aber unscharf abgebildet wird. Dieses Verhältnis von Schärfe und Unschärfe bezeichnet man als Schärfentiefe, also von wo bis wo beim Blick in die Tiefe des Bildes scharf abgebildet wird – wenn sich das Objekt vom Hintergrund durch seine Schärfe abhebt, spricht vom „Freistellen“ des Objekts und einer geringen Schärfentiefe. Soll dagegen möglichst alles auf einem Bild scharf sein, also Vorder- und Hintergrund (so, wie man es üblicherweise bei Landschaften haben möchte), spricht man von einer großen Schärfentiefe. Der oftmals ebenfalls verwendete Begriff „Tiefenschärfe“ meint das gleiche, ist aber falsch.
Bild 1 zeigt eine geringe Schärfentiefe, Bild 2 eine große Schärfentiefe:
Gras

Schöne Aussicht III

Bild 1 wurde aufgenommen mit einer 100mm Festbrennweite (einem Makro-Objektiv); Bild 2 wurde aufgenommen mit einem Weitwinkel-Zoom-Objektiv (17-35mm).

Grundsätzlich erzielt man eine geringe Schärfentiefe mit offener Blende (also kleiner Blendenzahl) und/oder einer geringen Entfernung zum Objekt. Eine höhere Schärfentiefe wird idR erreicht durch ein (schrittweises) schließen der Blende (z.B. „abblenden“ auf f/8, f/11 oder f/16). Lesenswert hierzu: https://de.wikipedia.org/wiki/Schärfentiefe

Und wie hängt das alles nun zusammen?
Tja, das ist der Gag bei der Sache 😀
Und das würde jetzt auch ausarten… aber kurz soviel:
Wer schnelle Objekte einfangen und deren Bewegung einfrieren möchte, der braucht sehr kurze Belichtungszeiten (zB 1/4000 Sekunde). Um solche Belichtungszeiten zu ermöglichen, muß man idR die Blende öffnen, damit genug Licht einfällt. Und hier kommen wir zu einem der wichtigsten Dinge in der Photographie: dem Belichtungsdreieck.

Diese drei Dinge hängen bei der korrekten Belichtung eines Bildes zusammen:
ISO
Brennweite
Belichtungszeit

Beispiele:
Schließe ich die Blende, verlängert sich die Belichtungszeit – ich muß dann den ISO-Wert erhöhen.
Verkürze ich die Belichtungszeit, muß ich ggf die Blende öffnen oder den ISO erhöhen.
Öffne ich die Blende, kann ich die Belichtungszeit verkürzen oder den ISO-Wert verringern.
usw.

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So. Ich hoffe, der Beitrag hilft einigen, die zum ersten Mal die Kamera in die Hand nehmen. Wichtig ist, daß man sich intensiv mit dem Handbuch seiner Kamera beschäftigt und natürlich diesen Blog liest 😀
Wenn irgendwo Fehler im Text sind: einfach einen Kommentar abgeben – nobody’s perfect 😉

Was ist der T-Stop?

T-Stop ist eine englische Bezeichnung und wird manchmal auch im Zusammenhang mit dem f-Stop genannt. f-Stop ist schlicht und ergreifend die Lichtstärke (maximale Blendenöffnung). Der T-Stop hingegen betrifft die sog. Transmission, sprich: wie viel Licht kommt tatsächlich am Sensor an?

Entsprechend dem f-Stop (Lichtstärke), der mit sagt: Bei einer Blendenöffnung von f/1.4 habe eben diese Lichtstärke, sagt mir der T-Stop, wie viel Licht durch die Transmission tatsächlich noch da ist, wenn es durch alle Linsen durch ist – der T-Stop beschreibt also die tatsächliche Lichtstärke von dann bspw. T/1.8

Besonders bei Objektiven für die Videographie wird die Lichtstärke in T-Stops angegeben.

Was ist der Weißabgleich?

Der Weißabgleich dient zur Bestimmung der korrekten Farbtemperatur der Aufnahme.

Das menschliche Auge macht das automatisch; die Bezeichnung hierfür ist chromatische Adaption.

Was passiert nun beim Weißabgleich?
Beim automatischen Weißabgleich sucht sich die Kamera die größten hellen Flächen und nimmt an, daß diese neutralgrau oder weiß sind. Sie mißt dann diesen Wert und legt somit die Farbtemperatur für den Rest des Bildes fest. Sind weiße Flächen zum messen vorhanden, funktioniert das idR auch recht gut.

Macht man aber bspw eine Aufnahme, auf welcher keinerlei weiße oder neutralgraue Flächen zu erkennen sind, wählt das Programm die hellsten verfügbaren Flächen und legt diese als weiß fest. Das Bild wird dann eingefärbt, weil die Kamera einen falschen Wert als Grundlage hat und folglich auch die anderen Farben falsch bestimmt. Das Bild ist dann nicht mehr farbtreu.

Photographiert man in RAW, kann man das gut in einem RAW-Converter nachträglich korrigieren.
Man kann aber auch entweder aus einer der meistens verfügbaren Vorlagen wählen (Nacht, Kunstlicht, Glühbirne usw.) oder eben die Farbtemperatur manuell festlegen, sofern die Kamera diese Funktion besitzt.
Zusätzlich kann man eine sog. Graukarte verwenden. Das kann auch ein Blatt Papier sein, das in neutralem Grau gehalten ist. Damit führt man nun den Weißabgleich durch, speichert den Wert und mach anschließend die eihentliche Aufnahme.
Ein weißes Blatt sollte man nicht verwenden, da diese produktionsbedingt ggf optische Aufheller enthalten, die im UV-Spektrum dann den Abgleich wieder verfälschen. Nimmt man ein weißes Blatt, muß man ggf erst wieder die Temperatur bzw die Belichtung manuell korrigieren.

Auf nachfolgendem Bild ist der Weißabgleich vorher und nachher gut zu erkennen:

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Bildquelle: Wikipedia
Erstes Bild: automatischer WA, Mitte: Graukarte, rechts: gleiche Lichtsituation mit korrektem WA.